Schloß Steinfels

Schloß Steinfels

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Wohl kaum ein anderer Ort dieser Größenordnung in der nördlichen Oberpfalz hat eine derart bewegte Vergangenheit wie Steinfels hinter sich. Rittergut, Hammmerwerk, landwirtschaftliches Gut Kunststeinwerk, Edelputzwerk und 1966 Einweihung des modernsten Mischkieswerk in Bayern - das sind nur einige Schlaglichter, die auf die Blütezeiten dieses Manteler Ortsteiles, der 1972 im Zuge der Gebietsreform in den Markt Mantel eingemeindet worden ist, hinweisen. Die letzten Jahre im 20. Jahrhundert machte die ehemalige Hofmark im Amte Parkstein, die 1897 sogar Prinz Ludwig von Bayern, den späteren König Ludwig III., beherbergt hatte, mit spektakulären Zwangsversteigerungen Schlagzeilen, bis schließlich 1997 der Markt Mantel neuer Besitzer der ehemaligen Steinfelswerke - inzwischen eine Industrieruine - wurde.

Steinfels wurde 1052 erstmals urkundlich erwähnt. Das Ortsbild von Steinfels prägt das Schloß. In der heutigen Form entstand es im 17. Jahrhundert. Das Mauerwerk birgt noch viele mittelalterliche Reste, die aus den Anfängen der Wasserburg stammen. Die ersten Besitzer sollen die "Steinfelser" gewesen sein. Die Oberpfalz des 13. und 14. Jahrhundert war das "Land der 100 Feuer", überall wurde Eisen erzeugt. Bei Steinfels handelte es sich um einen Schienhammer. Zunächst bestimmten Adelsfamilien die Geschicke von Steinfels. Von 1400 bis 1624 war Steinfels im Besitz der Mendl, ein Geschlecht, das etwa 1400 in die Oberpfalz eingewandert war und hier zahlreiche Güter erwarb, neben Steinfels auch Gmünd, Trippach, Hammerles und Rupprechtsreuth. Letzte adelige Besitzer, bevor Steinfels in bürgerliche Hände überging, war das Geschlecht der Weveld. Jakob Ignaz Weveld, Landrichter zu Parkstein und Weiden, baute 1707 die ehemalige Kapelle in Steinfels wieder auf.

Im September 1884 verkaufte Carl Trautner, dessen Vater Johann Friedrich aus Böhmischbruck 1835 Steinfels von Josef Alois Weveld erworben hatte, das Gut Steinfels an Kommerzienrat Heinrich Knab aus Münchberg. Es umfaßte damals 1152 Tagwerk mit zahlreichen Gebäuden. Knab führte Steinfels zu neuer Blüte. Die Allee an der Manteler Straße und der herrliche Eichenhain, in dem heute alljährlich das Ablassfest begangen wird, sind sein Verdienst. Nach dem Tod Knabs am 4. Juli 1908 nahm die wirtschaftliche Entwicklung der Steinfelser Betriebe einen für die Familie Knab tragischen Verlauf. Erst als 1918 die Porzellanfabrick Hutschenreuther mit Direktor Hugo Auvera die Aktiengesellschaft erwarb, ging es wieder aufwärts.

Am 1. Juli verkaufte Auvera den Gesamtbetrieb an Wolff Freiherr von dem Bongart. Der neue Besitzer trieb die Industriealisierung weiter voran. 1965 konnte das Betonwerk auf 70 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Gleichzeitig wurde das 65-jährige Bestehen des Lithin-Edelputzwerkes gefeiert. Die Steinfelswerke lieferten zudem Pegmatitsand für die Porzellanfabriken. Am 14. Januar 1966 wurde in Anwesenheit von Regierungspräsident Dr. Ernst Emmerig das neue Mischkieswerk, das modernste seiner Art in Süddeutschland, eingeweiht. Nach dem plötzlichen Tod des Barons Bongart im Jahre 1979 wechselten die Besitzer. Von nun an ruhte jeglicher Betrieb, lediglich in der Landwirtschaft wurden hin und wieder Aktivitäten beobachtet.

Schloßkapelle Steinfels

Die Kapelle wurde 1468 (also 4 Jahre vor der Hüttener Laurentius Kapelle) erbaut und am 28. Juli des gleichen Jahres durch den Regensburger Weihbischof Johannes konsekriert. Sie wird im 30-jährigen Krieg völlig zerstört, doch 1707 durch den damaligen Besitzer, Jakob Ignaz Freiherr von Weveld, neu erbaut. Am 10.10.1708 wird die neue Kapelle durch den Kapuzinerpater Heribert (Parkstein) benediziert und erst 15 Jahre später (1723) durch den Regensburger Weihbischof Gottfried Langwart Freiherr von Simmern feierlich konsekriert. Die ursprünglich der Hl. Ursula geweihten Kapelle erhielt nun das Patrozinium der Gottesmutter (Mariä Himmelfahrt). 1753 stiftet Freifrau Maria von Weveld ein Benefizium mit einem ständigen Geistlichen. Seitdem besteht das "Benefizium Steinfels-Hütten".

Die Stiftung geschah auf Grund von "Verlöbnissen" des Vaters der Freifrau Maria. Dieser war zweimal am Großen Frauentag an den Armen verwundet worden und hatte gelobt - falls er geheilt werde - die Schloßkapelle neu zu erbauen. Seine Tochter tat mehr, indem sie das Benefizium (aus Dankbarkeit) stiftete. (Die bischöfliche Bestätigung dieser Stiftung ist erhalten).

Die Reliquien der Heiligen im Altarstein der Kirche stammen wohl auch von "Katakombenheiligen" wie in Hütten. Vielleicht sind es die gleichen Heiligen, die im "Märtyrergrab" des Altarsteins Mittelpunkt der Gemeinde sind.

Offenbar ist im Zusammenhang der Benifiziumstiftung auch ein "Ablaß" gestiftet worden. Die Urkunde darüber ist verlorengegangen. Jedenfalls wird 1968, zur 500-Jahrfeier der Schloßkapelle, dieser Ablaß von Rom erneuert. Auch der Brief des Hl. Offiziums in Rom ist in den Pfarrakten Mantel (Steinfels gehört mit Hütten seit 1901 zur Pfarrei Mantel) nicht mehr aufzufinden. So wird Jahr um Jahr in Eichenhain bei Steinfels (der Hain geht auf H. Knab, den langjährigen Besitzer von Steinfels zurück) das Ablaßfest am 15.08. gefeiert. Die Bedingungen zum Erwerb des Ablasses sind wohl die gleichen wie die zum Erwerb des Portiunkula - Ablasses.

Der Weihbischof Freiherr von Simmern hat 1723 nicht nur die Kirche konsekriert, er hat auch die "Schöne Madonna" von Steinfels geweiht, die - laut Stiftungsbrief - schon in der 1468 erbauten Kapelle gestanden hatte und die aus dem Schutt der Kirche nach der Zerstörung unversehrt geborgen wurde, als 1707 die Kirche neu erbaut wurde. Das Altar der Madonna wird heute mit "um 1520" angegeben. Die Statue wurde 1981 gestohlen. Die Diebe wurden bald dingfest gemacht - die Madonna ist bis heute (und wohl unwiederbringlich) verloren.

Mit der "Schönen Madonna von Steinfels" sind weitere Kunstwerke gestohlen worden:

- eine (gotische) Figur der Hl. Anna;
- eine Statue des Hl. Wendelin;
- sechs hölzerne Engel und
- zwei wertvolle Kerzenleuchter.

Auch sie sind nicht mehr aufzufinden.

Die Kapelle ist außen renoviert worden. Innen ist sie immer noch (1989) sehr baufällig. Wände und Pfeiler zeigen große Risse. Die Deckengemälde mit Rokokokartuschen müssen dringend restauriert werden. Sie dürften in die Zeit des Neubaus der Kapelle zurückgehen. Später wurden sie übertüncht, um die Jahrhundertwende aber wieder freigelegt und restauriert. (Vgl.: Kunst - Denkmäler Bayerns, Reihe II, Band 9: Bezirksamt Neustadt/WN, München 1907, 120).

Auch das "gute Rokokoaltärchen" stammt wohl aus der Zeit des Neubaus. Das Altarbild zeigt die Himmelfahrt Mariens.

16. Mai 1897

Ein großer Tag für Steinfels. Seine Königliche Hohheit, Prinz Ludwig von Bayern, besucht Steinfels

Heinrich Knab

Hochaltar Schloßkapelle

Ablassfest

Alljährliches Ablassfest am 15. August im Eichenhain

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